Problemlösende Kreativität in Technik & Wirtschaft

 

Kurzkommentare bzw. Rezensionen

 zu ausgewählten Literaturstellen (vgl. Literaturliste) -

meist als unsere Meinung wiedergebene, wenn nicht ein Klappentext (Ktxt) zitiert wird oder der Autor extra benannt ist.

 

Stand: 02.12.2014/Nov.15/15.12.15 = Kahneman / 22.3.16/30.8.16/22.1.16/28.05.2017

Als "Kundendienst" (und als Nebenwirkung beim Studium der einschlägigen Literatur) durch die kreativen Problemlöser dient diese Seite, indem sie ihre Meinungen zur jeweiliegen Quelle für einige Fälle hier zur Verfügung stellen. Auf das Impressum sei extra verwiesen.

Zur Seitenstruktur:

Diese Seite sollte mit dem Anspruch 'ca. nach dem Alphabet' "etwas" besser sortiert zu sein, als es in diesem Laden zu sein scheint.  Bild von KPH

 

 

B 4

Busch, K.H.: Handbuch - Innovationen erfolgreich realisieren. Erfinden lernen - lernend erfinden. Berlin: trafo, 2003

Busch, K.:[B4] Das Buch ist als Handbuch ausgewiesen. Es beginnt mit einem Beispiel für die Lösung eines Widerspruchs aus der Landwirtschaft und wendet sich dann einem Schwerpunkt des kreativen Problemlösen zu: Dem Erkennen innovativer Problemstellun­gen mit Problemsensibilität, Beschreibung für die Analyse geeigneter Methoden u.a., um dann fortzuschreiten zum systematischen Problemlösungsprozess. Die lockere und anre­gende Schreibweise findet Ihre Fortsetzung beim „Erarbeiten von Lösungsideen“. Bewerten, Finanzierung, Schutzrechtsfragen und Fallbeispiele sind weitere Kapitel samt Realisierungs- und Feedbackaussagen. – St 30.8.14 

 

Co1

Cohen, William, A. u. Nurit: Der Weg an die Spitze. 11 Schlüssel zu Erfolg und Macht – Berlin: Verlag Die Wirtschaft, 1990

 

Cohen, William, A. u. Nurit: Der Weg an die Spitze. 11 Schlüssel zu Erfolg und Macht – Berlin: Verlag Die Wirtschaft, 1990

Cohen, William, A. u. Nurit: [Co1] Beginnen Ihr Buch mit “Problemlösen” . Der Problem­lösungsprozess wird in den Schritten Definieren des zentralen Problems, Aufstellen der relevanten Faktoren, Alternativen, Ableiten von Schlussfolgerungen und Entscheiden vorgestellt bevor zu einigen Frage- und anderen Kreativitätstechniken übergegangen wird. Interessant die Schlüsse im Kapitel 7: „Kreativität und Innovation“. – St 30.8.14

  

D 4

Duncker, K.:Psychologie des Denkens. Berlin: 1935,neuaufgelegt Springer 1963

    Langfassung siehe site „Geschichte der pK

Sein Buch „Zur Psychologie des produktiven Denkens“ von 1935 bringt schon damals wichtige Aussagen – wie sie auch heute noch dem Verständnis der „problemlösenden Kreativi­tät“ entsprechen ► so z. B. zum „Problem“: „Ein „Problem“ entsteht z. B. dann, wenn ein Lebewesen ein Ziel hat und nicht „weiß“, wie es dieses Ziel erreichen soll. Wo immer der gegebene Zustand sich nicht durch bloßes Handeln (Ausführen selbstverständlicher Operationen) in den erstrebten Zustand überführen lässt, wird das Denken auf den Plan gerufen. Ihm liegt es ob, ein vermittelndes Handeln allererst zu konzipieren."

 

Fu1

Funke J.: Problemlösendes Denken. Stuttgart Kohlmann verlag 2003

Funke, J. [Fu1] beschreibt vorwiegend aus psychologischer Sicht, die Grundsätze beim Problemlösen. Es werden nachvollziehbar die Erkenntnisse und Theorien zur Forschung auf dem Gebiet des Problemlösens vorgestellt. – St 30.8.14

 

Ga1

Gamber, Paul.: Ideen finden, Probleme Lösen. Weinheim: Beltz Verlag 1966

Gamber, P.: [Ga1] Im Buch wird erklärt was ein Problem und das kreatives Problemlösen sind und wie man die erkannten Probleme systematisch bearbeitet. Davon ausgehend wird dargestellt wie man Denkblockaden überwinden kann und der Prozess des Problem­lösens in den Schritten „Definieren, Ideen finden, Auswählen, Neudefinieren und Anwen­den“ hinreichend praxisnah beschrieben und für die Gruppenarbeit aufbereitet. – St 30.8.14

   

He2

Hegel, F.:, K.:„Wissenschaft der Logik“ Stuttgart: Frommans Verlag 3. Auflage 1949

Hegel, F. .   --> Langfassung siehe page „Geschichte der pK

H. befasst sich mit vielen grundlegenden Fragen der Philosophie, darunter insbesondere der Logik. Dabei werden auch für die problemlösende Kreativität wichtige Aussagen getroffen. So u. a. "Das zweite Negative, das Negative des Negativen, zu dem wir gekommen, ist jenes Aufheben des Widerspruches, ..."

  


„Mattias Heister bricht eine Lanze für die problemlösende Kreativität“

He1

Heister, Matthias W. M.: „Bildung Erfindung Innovation“. Band 2

Expertenwissen für Erfinder und Unternehmer. Bonn: Verlag Iduso GmbH 2013

ISBN 978-3-9810837-5-0

Dieses große Werk von Dr. Mattias Heister zeigt auf beeindruckende Weise, wie sehr er der Experte für Bildung, Erfindung und Innovation der letzten 25 Jahre ist . Der Leser fin­det hier dazu – wenn auch auf 500 Seiten des Bandes 2 – hoch konzentriert alle wichti­gen Fragen von sachkundiger Hand zusammengestellt. Eine Fundgrube für die Profis zur Stellung und Situation von Bildung, Erfindung und Innovation in unserer Gesellschaft. Es ist einfach nützlich, zu diesen Themen eine klug zusammengestellte Diskussionsbasis dargestellt zu bekommen.

Dr. Heister hat mit großem Fleiß und Gespür – gestützt auf seine lange die DABEI (Deut­sche Aktionsgemeinschaft Bildung – Erfindung – Innovation) dominierende Aktivität – ei­ne große Breite und Problemfülle zu dem für das rohstoffarme Deutschland so wichtigen Gebiet der „problemlösenden Kreativität“(plK), den Erfindern und ihrer Situation sowie der daraus und danach folgenden Innovation erfasst.

„Mattias Heister bricht eine Lanze für die problemlösende Kreativität“

Herausheben möchte der Rezensent vom Teil I insbesondere die Kapitel A und B. Hier wird sehr gut erklärt, warum so viele über Kreativität sprechen und schreiben, sich aber dabei kaum mit der plK befassen, sondern mehr mit der Kreativität an sich – oft mit der Zielrichtung der „künstlerisch-musischen Kreativität“ (S. 14 f.). Die hat zweifelsfrei ihre hohe Bedeutung besonders in ihren vielen Verzweigungen (vgl. Kreativwirtschaft) für die Gesellschaft und insbesondere für diese künstlerisch Kreativen selbst (Seiensverwirk­lichung, ...). Der relativ neue Begriff „Kreativwirtschaftverführt aber, darin die Umset­zung der Kreativität in die Wirtschafts­praxis zu sehen, die zwar auch gegeben ist (z. B. bei Architekten u. a.), aber im engeren und volkswirtschaftlich bedeutenden Sinne nur mit der plK gelingt: als deren typisches Anwendungsfeld der Erfindungen und anderen Innovationen für neue Produkte, Dienstleistungen, Technologien usw. in Technik, Wirtschaft und deren Industrie- und anderen Unternehmen.

Die Darstellungen zur plK sind sehr anzuerkennen. Sie erklären gut, um viel schwerer es ist, die deutlich umfangreicheren und gewichtigeren Bedingungen und Voraussetzungen der plK zu erfüllen und wie kompliziert es ist, bis die Faktorenvielfalt als gelöst zu betrachten und tatsächlich z. B. eine Erfindung als eine typische Form der plK praktisch umgesetzt ist. Dabei wird deutlich gemacht, wie wenig leider die Gesellschaft dabei positiv stützend wirkt. Es geht schon damit los, dass die Spezifik der plK meist nicht zur Kenntnis genom­men wird (s. o.).

Hervorheben möchte der Rezensent die Ausführungen zu Intuition, zur Analyse/Syn­these, Dialektik, Rolle der Aufgabenstellung (AST), plK, Eigenschaften Kreativer. Der Rezensent sieht allerdings Kreativität immer an Bewusstsein gebunden und die erstaun­lichen Leistungen der Natur als Wechselspiel von Mutationen, Zufall und Gesetzmäßig­keiten.

Leider treffen die klaren Ausführungen zu den Schwierigkeiten mit der plK nach den Erfah­rung­en des Rezensenten voll zu. Und es lassen sich z. Z. auch keine wirksamen Anätze erkennen, wie es in Familie, Schule und Hochschule und in den Unternehmen und bei der staatlichen Förderung von z.B. Erfindern zu einem gesamtgesellschaftlich besseren Klima für problemlösende Kreativität kommen wird. Nötig wäre es, aber offen­sichtlich noch nicht so dringlich, weil vieles andere im Vordergrund (z.B. Egali­sierung statt Elitenförderung) steht und die Langzeitwirkung mangelnder plK wahr­schein­lich verkannt wird.

Im Tei II beeindrucken besonders die Kapitel A, C, D und E. Für B ist der Rezensent selber Spezialist. Bezüglich des Stellenwertes der AST ist es für den Rezensent kein entscheidender Unter­schied, ob es ein freier Erfinder oder ein F/E-Team ist. Die AST ist zwar bei letzteren meist vorgegeben, aber auch der freie Erfinder hat vor der Idee die AST als sein Start-Kernproblem, sie sich für den Problemlösungsprozess „vor“-zugeben. Ohne diese meist entscheidende Stufe gründlich zu durchlaufen („eine gute AST sei 50 % der Lösung!“) ge­lingt keine plK mit vertretbaren Aufwand. Denn plK ist real stets zielgerichtet – selbst wenn (scheinbar) ohne Plan z. B. mit Trail and

Error gearbeitet wird. Leider wird diese Seite (die AST) der plK häufig auch in der Literatur zu „B“ unterschätzt, deshalb auch hier dieser Verweis.

Es ist eigentlich deprimierend in Teil II zu lesen und konzentriert beschrieben zu bekommen, welche Hemmnisse die plK in der Gesellschaft und bei ihrem komplizierten und langwierigen Prozess bis zum Nützlichwerden erfährt. Aber das ist verdienstvoll, weil aus dem Erkennen der Missstände Veränderungswille erwächst. Das betrifft nicht nur das sehr partielle Ansehen des Erfinders, die Hindernisse beim Rechtsschutz, die geforderten Fähigkeit, für seine Lösung zu werben und zu überzeugen, das Beschaffen der finan­ziellen Mittel / der Unternehmensbasis, und anderes mehr, wenn ihm denn tatsächlich eine Lösung z.B. eines technischen Widerspruchs überhaupt gelungen ist und er auch noch ohne viel Einsprüche ein Patent relativ spät zu nicht niedrigen Kosten erteilt wurde. Im Unterschied zu einen künstlerisch Kreativen gilt sein exklusiver Verwertungs­anspruch aus seiner kreativen Leistung 20 a, beim Künstler noch 70 a nach dessen Tod! Da kann man staunen, dass überhaupt noch Erfindungen entstehen.

Teil III. Eigentlich müsste der ideale Erfinder nicht der ‚freie Erfinder’ sein, sondern der optimal in ein kreatives Team der F/E eines potenten Unternehmens eingebundene Erfinder, exakter: sollte, könnte,... . Die beschrieben Situation in den Unternehmen be­sagt, dass das trotz der immensen staatlichen Förderung für diese leider nicht so ist. Der zitierte Autor Thiele wird allerdings auch nur beim ‚Qualitätszirkel’ ausreichend konkret konstruktiv.

Trotz der vielen guten Ideen im Teil III, was zu machen wäre, wo Detailansatzpunkte möglicherweise liegen, ... wird deutlich, der deut­schen Politik fehlt einfach eine Vision, wohin die deutsche Gesellschaft gehen soll und was die Stellschrauben sind für welchen Weg. Mehr Innovationen müssten erst einmal gefordert werden – nicht bloß Elektroautos! – um zu erkennen, was dafür gebraucht wird.

Die knapp 60 Anstriche für nötige Unter­suchungsfelder ab S. 498 verweisen auf eine Pro­blemfülle beim Erreichen von mehr Innovationen. Das ist schon bedrückend. Das Nötige wird zwar nicht nur im Teil III aufgezeigt, aber es fehlt (dem Rezensenten) der Glaube, dass die Gesamtsituation schon so weit ist, dass ein Wechsel erzwungen wer­den kann. Das schmälert nicht das Buch, sondern zeigt den Mut und die Zuversicht auf, durch be­harr­liches (vgl. DABEI) Benennen der Missstände Veränderungen erreichen zu wollen.

Trotzdem stellt sich abschließend der Rezensent die Frage, wie kann eigentlich Deutsch­land (noch) Exportweltmeister sein, bei so sträflicher Vernachlässigung der plK und deren Innovationen sowohl bei der Bildung, über das Studium, die kaum Beachtung der plK, ihr Stellenwert in der Gesellschaft (bis hin zur Familie), ihrer gezielten Förderung, der Schaf­fung von exzellenten Bedingungen für Talente und Erfinder, deren Förderpraxis, Aner­ken­nung und Vergütung, Einbindung in die Wirtschaft und in staatliche Förderpro­gram­me,....? Ohne einen ‚Vorsprung’ aufweisende Produkte und Dienstleistungen können doch z. B. Billiganbieter kaum übertroffen werden? Ist also das Reservoir noch so groß oder sind die anderen noch schwächer? Leider muss bestätigt werden, wenn er feststellt, dass in Deutschland eine gewisse technikfeindliche Einstellung vorzufinden ist und es nicht leicht ist, der problemlösenden Kreativität „... wenigstens öffentliche Akzeptanz zu verschaffen. ... Ähnliche Erscheinungen zeigen sich im Bereich der öffentlichen Meinungsbildung. ... Das öffentliche Ansehen des kreativen Problemlöser muss dringend zum Positiven verändert werden.“ - St 1/2014

 

H 14 Hill, B.: Naturorientierte Lösungsfindung – Entwickeln und Konstruieren nach biologischen Vorbildern. Rennigen-Malmsheim: expert, 1999

 Millionen Jahre evolutionärer Naturprozesse haben biologische Strukturen von über­strö­mender Fülle und fast unüberschaubarer Vielfältigkeit hervorgebracht, die sich für Ide­en­findung geradezu anbieten. Wenn dieser Fundus jetzt noch zu wenig genutzt wird, liegt das u. a. an der Aufbereitung dieses biologischen Fundus und an fehlenden Kenntnissen der An­wen­der zu Entwicklungsgesetzmäßigkeiten und Prinzipien biologischer Systeme.

In [H 14] werden ein systematischer Weg und entsprechende Kataloge zu Evolutions­gesetzmäßigkeiten, Strukturen und Funktionen biologischer Systeme angeboten. Das beginnt gemäß problemlösender Kreativität mit „Analysiere an­ti­zi­pierte (technische) Lösung und bestimme Ziel unter Nutzung biologischer Evolutionstrends und Gesetzmäßigkeiten und erfasse dabei insbesondere die „Mängelliste des jetzigen Er­kennt­nisstandes““. Dann gehe zur. „Suche nach biologischen Analogien für die antizipierte (meist technische) Lösung“ und nutze dazu den angegebnen Kataloge der 6 Grundfunktionen mit ca. 70 Blatt konkreter biologischer Systeme. – St 30.8.14

 

 Kl 1 Klein, B.: TRIZ/TIPS- Methodik des erfinderischen Problemlösens München: Oldenbourg 2007

Klein, Bernd [Kl1]; Die „Theorie des erfinderischen Problemlösens“ orientiert sich an der Problemstellung. Diese wird analysiert und mit TRIZ systematisch zur Entwicklung neuer Produkte genutzt. Diese problemlösende Kreativitätstechnik bietet Werkzeugen zur strategischen Produktplanung an, zur Unterstützung der Konstrukteure und Entwickler, um neue Produktideen umzusetzen, Erfindungen patenträchtig zu realisieren. Die Bedeutung der Aufgabenstellung bei problemlösender Kreativität findet sich genau so wieder, wie die Widerspruchsthematik, die Altshullerschen Erkenntnisse und Prinzipien und die WEPOL-Analysen sowie weitere Aussagen zur methodisch Stützung beim Konstruieren. – St 30.8.14

 

Ka 1

Kahnemann, D.: Schnelles Denken, langsames Denken. Siedlerverlag München 2012

Pr 3

 Rezension                                                06.11./14.12.2015

 Das Buch liest sich gut, weil viele Beispiele angeführt werden und mehr erzählt wird, als trockene Kognitionspsychologie zu lehren, zu der es inhaltlich gehört.

Es ist für den Rezensenten eine hervorragende Infoquelle zum Verständnis wichtiger Arbeitsweisen des Gehirns. Das betrifft vor allen tätigkeitsbedingt den Teil 1, der das interessante Modell der Systeme 1 und 2 der Arbeitsweise des Gehirns darstellt.

Auf diesen Teil 1 (und 2) konzentriert sich die Rezension, die möglichst viel zitiert als Kommentar zum Buch.

Das Buch gliedert sich in die Teile 1 - 5.

 Teil 1.   Zwei Systeme

System 1 (das schnelle Denken) hat die angeborenen Fähigkeit – wie auch bei Tieren – unsere Umwelt wahrzunehmen, auf Gefahren schnell zu reagieren, Verluste zu vermeiden, ... unsere Aufmerksamkeit durch Aktivierung von System 2 (das langsame Denken) zu wecken -  und durch langes Üben automa­tisierte Routinen auszu­bilden. Es kann Assoziationen zwischen Vorstellungen bilden, kann lesen und Nuancen sozialer Situationen verstehen. Das Wissen ist im Gedächtnis gespeichert und wird ohne Intension und ohne Anstrengung abgerufen. Das System 1 arbeitet automatisch ohne uns bewusst zu sein.

 „Das unwillkürliche System 1... erzeugt erstaunlich komplexe Muster von Vorstellungen, aber nur das langsamere System 2 kann in einer geordneten Folge von Schritten Gedanken konstruieren.“ [S. 33]

System 1 arbeitet automatisch und schnell, weitgehend mühelos und ohne willentliche Anstrengung.“... [Z.B. beim Erkennen eines zornigen oder gefährlichen Menschen].

„System 2 lenkt die Aufmerksamkeit auf die anstrengenden mentalen Aktivitäten, ... darunter auch komplexe Berechnungen.

Die Operationen von System 2 gehen oftmals mit dem subjektiven Erleben von Handlungsmacht, Entscheidungsfreiheit und Konzentration einher. ...

Wenn wir an uns selbst denken, identifizieren wir uns mit System 2., dem bewussten, logisch denken­den Selbst, das Überzeugungen hat, Entscheidungen trifft und sein Denken und Handeln bewusst kontrol­liert“ [S. 33]

System 2 kann die Kontrolle übernehmen, indem es ungezügelte Impuls und Assoziationen von System 1 verwirft. System 2 erfordert Aufmerksamkeit für seine Aktivität. Ist die gestört oder ist es überlastet, entstehen Fehler (Es gibt ein Aufmerksamkeitsbudget! „Die intensive Konzentration auf eine Aufgabe kann Menschen blind für Stimuli machen, die normalerweise die Aufmerksamkeit erregen“ [S.36]). System 2 kann die Aufmerksam­keit focusieren (z. B. Warten auf eine Person mit blauen Mantel am Bahnhof).

System 1 und 2 sind immer aktiv; System 2 normalerweise im Modus geringer Anstrengung mit nur einer Teilkapazität. System 1 liefert Vorschläge für System 2, Eindrücke, Intensionen, Ab­sich­ten und Gefühle. Unterstützt System 2 diese Eindrücke und Intensionen werden sie zu Überzeu­gungen und willentlich gesteuerten Handlungen. System 2 kann logisch denken und so Vorschläge von System 1 überprüfen, was es aber nicht immer tut [„ist faul“ s .S. 61 f.], sondern der intuitiven* Aussage von System 1 „vertraut“.

Normal akzeptiert System 2 alle Vorschläge von System 1. Gerät System 1 in Schwierigkeiten, for­dert es von System 2 eine genauere Verarbeitung an, die das Problem möglicherweise lösen kön­ne. System 2 wird auch mobilisiert, wenn es gegen das Weltmodell von System 1 verstößt [38] z. B., wenn es „hüpfende Lampen“ sieht! Überraschung aktiviert Aufmerksamkeit und damit System 2. Dieses ist auch für die ständige Überwachung des Verhaltens zuständig, also dass man höflich bleibt, auch wenn man Wut hat.

 „...der größte Teil dessen , was Sie (Ihr System 2) denken und tun, geht aus System 1 hervor, aber System 2 übernimmt, sobald es schwierig wird, und es hat normalerweise das letzte Wort.

        Die Arbeitsteilung zwischen System 1 und System 2 ist höchst effizient: Sie minimiert den Aufwand und optimiert die Leistung. Diese Reglung funktioniert meistens gut, weil System 1 im Allgemeinen höchst zuver­lässig arbeitet: seine Modelle vertrauter Situationen sind richtig, seine kurzfristigen Vorhersagen sind in der Regel ebenfalls zutreffend, und seine anfänglichen Reaktionen auf Herausforderungen sind prompt und im Allgemeinen angemessen. Die Leistungsfähigkeit von System 1 wird jedoch durch kognitive Verzerrungen beeinträchtigt, systematische Fehler, für die es unter spezifischen Umständen in hohem Maße anfällig ist“ [38]. So unterliegt es Täuschungen, Illusionen, dem Einfluss von Priming, der Wiederholung u. a.

System 1 verfügt über die nicht willentlich herbei geführte Assoziationsmaschine, die die zu einem Kontext bei uns im Gedächtnis vorhandene Vorstellungen aufruft, von denen uns dabei nur ein Bruchteil bewusst wird, aber zu dem Kontext potentielle Antworten bereitstellen kann.

 

Nur System 2 ist uns willentlich zugänglich. System 1 arbeitet automatisch, kann nicht abgeschaltet werden und ist unwahrscheinlich schnell. Z. B. : sie öffnen die Augen und das 2-D-Bild Ihres Augen­hintergrundes wird vom System 1 sofort in ein 3-D-Bild des betrach­teten Raumes umge­wan­delt, wo jedes Objekt seinen Platz mit allen Raumbezie­hungen hat (vor-, über- neben-, nachein­an­der, ...), jedes zugleich als bekanntes/unbekanntes Objekt konkret identifiziert wird und noch eine Einschätzung der Raumsituation (normal, verschmutzt) mit Handlungs­empfehlung (alles ok) gege­ben wird. Das ist „das, was wir normalerweise Sehen und intuitives Denken nennen.“[31].

Interessant für die Anwendung der Kreativitätstechniken ist die Aussage S. 50 ausgehend von dem allgemeingültigen Gesetz des geringsten Aufwandes für kognitive wie auch für physische Anstren­gungen: „Je mehr Geschick man bei der Lösung einer Aufgabe entwickelt, umso weniger Energie muss man für sie aufwenden. ... dass sich das mit einer Handlung verbundene Aufmerksamkeitsmuster mit der Fertigkeit verändert, ... Begabung hat ähnliche Wirkungen. Hochintelligente Menschen lösen die gleichen Probleme müheloser ...[S. 50]. Das spricht für die konsequente Nutzung von Kreativitätstechniken, die ein „optimiertes Geschick“ für Lösung der jeweiligen Aufgabe anbieten!

Auch der Abschnitt „5. Kognitive Leichtigkeit“ [80] verweist auf eine situationsbezogen zu schaffende Arbeitsatmosphäre, denn hohe Leichtigkeit vermittelt: Es läuft alles gut! Sie sind gut gelaunt, glau­ben was sie lesen und sehen, vertrauen ihren Intuitionen und haben ein Gefühl, dass Ihnen die ge­gen­wärtige Situation angenehm ist. Ihr Denken ist relativ beiläufig und oberflächlich. Niedrige Leichtigkeit dagegen macht sie angespannt. Sie sind eher wachsam, argwöhnisch, strengen sich mehr an und fühlen sich unbehaglicher. Sie machen so weniger Fehler, sind aber „ ...auch weniger intuitiv und kreativ als sonst.“ [S. 82]

 

Wenn eine Botschaft der Empfänger also glauben soll, ist es hilfreich, alles zu tun, um die kognitive Beanspruchung des Empfängers zu verringern [S. 85] (Lesbarkeit, einfache Formulierung, hoch­wertiges Papier, Farben mit Kontrast – rot und blau, keine komplizierte Namen, u. ä. m.). „Andererseits mobilisiert eine hohe kognitive Beanspruchung ... System 2, mit der Folge, dass von einem, intuitiven Modus der Problemlösung auf einen konzentrierten, analytischen Modus umgestellt wird.“ [S. 88]. S.93 nennt aber auch: „Eine fröhliche Stimmung lockert die Kontrolle von System 2 über die Leistung: Wenn wir gut gelaunt sind, werden wir intuitiver und kreativer, aber auch weniger aufmerksam und anfälliger für logische Fehler.“

Im Abschnitt 6 wird als hauptsächliche Funktion von System 1 benannt, ein Modell unserer persön­lichen Welt, was normal sei, aufrechtzuerhalten und zu aktualisieren. Das Modell baut auf Asso­ziationen auf, die Vorstellungen mit Ereignissen, Handlungen usw. verknüpfen und bildet ein Netz­werk assoziierter Vorstellungen, die erlauben, unsere Gegenwarts- und Zukunftserwartungen interpre­tieren zu lassen. 

So kann System 1 auch voreilige Schlussfolgerungen ziehen. „Sie sind dann effizient, wenn sie mit hoher Wahrscheinlichkeit zutreffen“ [S. 105], die Kosten eines Fehlers niedrig sind und wenn sie viel Mühe und Zeit sparen. Riskant sind sie, „wenn die Situation unbekannt ist, viel auf dem Spiel steht und ... keine Zeit...“ [S. 105] verfügbar ist, weiter Informationen einzuholen. Das ist genau die Situation für die ‚Präzisierung von Aufgabenstellungen (AST) der Forschung und Entwicklung’, also der der pro­blem­lösen­den Kreativität. Dort darf zur Aufgaben- und Zielbestimmung nicht mit Aufwand und Zeit gegeizt werden, um Ambiguität und Zweifel zu beseitigen, Das muss System 2 übernehmen. Aber: „Wenn System 2 anderweitig beschäftigt ist, glauben wir fast alles. System 1 ist leichtgläubig und neigt dazu, Aussagen für wahr zu halten. System 2 ist dafür zuständig, Aussagen anzuzweifeln und nicht zu glauben, aber System 2 ist manchmal beschäftigt und oft faul.“[S. 107] à das verweist wieder auf die Bedeutung der gründlichen Präzisierung von AST.

Im Buch werden der „Halo-Effekt“ und der „erste Eindruck“ mit Bezug zur Einschätzung von Men­schen durch das System 1 benannt und auf voreilige Schlussfol­ge­rungen durch die Beschränktheit der vorliegenden Informationen des System 1 hingewiesen: denn für System 1 gilt „Nur was man gerade weiß, zählt“ – engl. WYSIATI  [S.113]. Zu fehlenden relevanten Informationen muss System 2 tätig werden.

Grundlegend für das Überleben ist die Fähigkeit des System 1, ständig die Situation zu bewerten (Gefahr, keine Gefahr, ...). Dabei hat das System 1 auch die Fähigkeit herausgebildet, Intensitäten verschiedener Qualitäten zu vergleichen {was logisch nicht möglich erscheint, eine Quantität einer Qualität in einer Quantität einer anderen Qualität wieder zuspiegeln – „Wenn Sam so groß wäre, wie er intelligent ist, wie groß wäre er dann? [S.117]}. Diese Intensitätsabstimmung, die „mentale Schrotflinte“ u. a. können wie die 3-D-Heuristik Verzerrungen sein, die System 1 liefert, und von einem nicht all zu wachsamen System 2 oft akzeptiert werden.

Seite 136 benennt abschließend kurz die Merkmale von System 1.

Teil 2: Heuristiken und kognitive Verzerrungen

 Hier wird unter Heuristik verstanden: „ein einfaches Verfahren, das hilft adäquate, wenn auch oft unvoll­kommene Antworten auf schwierige Fragen zu finden“ [127] ... „ Die Zielfrage liefert die Beurteilung, nach der man strebt. Die heuristische Frage ist die einfachere Frage, die man stattdessen beantwortet.“ [127]. K. versteht darunter besonders die „Ersetzung“ und andere Heuristiken für System 1 – nicht die, die bei der problemlösenden Kreativität/ Systematischen Heuristik (beide zu System 2 zugehörig) gängig sind, wie S.128 bestätigt: „Polyas Heuristiken sind strategische Verfahren, die gezielt vom System 2 umgesetzt werden. Die Heuristiken, die ich in diesem Kapitel diskutiere, werden nicht bewusst ausgewählt ...“ - gehören also zu System 1.

Benannt werden dazu solche wie Schrotflinte, 3-D-Heuristik, Affektheuristik, Halo-Effekt und typische Verzerrungen wie Anker, Verfügbarkeit, auch Priming.

System 1 produziert voreilige Schlussfolgerungen, z.B. wenn es dem „Gesetz kleiner Zahlen“ glaubt [S. 146]. Der Stichproben­umfang ist nicht intuitiv festzustellen, sondern zu berechnen (mit System 2), um für Aussage eine hinreichend sichere Quelle zu haben.

Zufall hat keine Ursache! [S.147]. Es lohnt nicht, dafür nach Mustern zu suchen, auch wenn scheinbare Häufungen auftreten, aber die Ereignisse unabhängig sind.

Die Ankerheuristik wirkt nach, wenn vorher eine Größe, Rich­tung, Tendenz dominierte. Suggestion ist ein Priming-Effekt, der selektiv kompatible Informationen ins Gedächtnis ruft [S. 156].

Die Verfügbarkeit überzeichnet das grade vom Gedächtnis aufgerufene, Verfügbarkeitskaskaden {eine sich selbst tragende Kette von Ereignissen [S.179] entsteht, wenn die Umgebung verstärkend wirkt (Pressekampagne)}.

Weniger ist mehr“ [S.204] ist ein nicht so seltener Konjunkturfehlschluss, der gegen die Regeln der Logik verstößt – wenn System 2 nicht besonders wachsam ist. Die „Regression zum Mittelwert“ wird durch eine starke Neigung des Systems 1 zu kausalen Erklärungen statt der zu treffendem statischen Aussage verdeckt.

Der Kapitel 1 abschließende Abschnitt „18. Vorhersagen bändigen“ [S. 231] schließt mit der Aussage: “Seien Sie gewarnt, Ihre Intuition liefert Vorhersagen [die System 1 aus den verfügbaren Informationen konstruiert], die zu extrem sind, und Sie werden dazu neigen, ihnen allzu großen Glauben zuschenken“ [S. 242].

Teil 3: Selbstüberschätzung

Beschreibt unser übermäßiges Vertrauen in das, was wir zu wissen glauben und unsere scheinbare Unfähigkeit, das Ausmaß unseres Unwissens zuzugeben.

 

Z. B.: [S. 248]: Der Halo-Effekt verstärkt oft unberechtigt Negatives bzw. Positives. Habe ich jemanden beim „Start“ positiv einschätzt, ist „alles“ bei ihm positiv! Oder: jedes Ereignis wird beachtet und gewertet, jedes „Nichtereignis“ nicht! Oder: Experten sind auch nur durchschnittlich mit ihrer Aussagequalität. Vorhersagefehler sind unvermeidlich, weil die Welt unvorhersagbar ist, und die Grenze zwischen der vorhersagbaren Zukunft und der unvorhersagbaren nicht bekannt ist.

Eine Def. für Intuition wird zitiert [292]: "Intuition ist nicht mehr und nicht weniger als Wiedererkennen."  Die Situation liefere einen Hinweisreiz, dieser gebe dem Experten Zugang zu im Gehirn gespeicherten informationen und diese Info geben ihm die Antwort.

 Teil4: Entscheidungen

Entscheidungsfindungen in den Wirtschaftswissenschaften und deren rationales Handeln werden diskutiert. Dabei u.a. wird deutlich benannt: mental werden Verluste(-potentiale) höher bewertet als Gewinne(-potentiale).

Teil 5: Zwei Selbst

Das erlebende Selbst und das sich erinnernde Selbst werden unterschieden und die Regeln des Bilden von Erinnerungen (durch System 1) betrachtet.

                                 Dr. Stanke 14.12.2015


* Zum Begriff „Intuition“ gibt es kein Stichwort im Verzeichnis bei K. Bei Wikipedia findet sich z.B. dafür: ‚Intuition oder Empfindung’’; Fähigkeit Einsichten zu erlangen ohne diskursiven Gebrauch des Verstandes. Intuition wird als Gefühlsentscheidung verstanden. Auf Verstand beruhende Intuition wird als Inkubation bezeichnet: unbewusst verarbeitet, bewusst eingeschätzt, wenn unbewusst auf eine Lösung gestoßen worden sein soll. 

Die Intuition ist eine zentrale Funktion zur Informationsverarbeitung und zu angemessener Reaktion auf große Komplexität der zu verarbeitenden Daten. Intuition kann manchmal eine besserer Entscheidung treffen, als mit bewusstem Verstand {das unbewusste System 1 verarbeitet extrem viel mehr Informationen als das bewusste System 2, was zwar präzisier íst, aber z. B. weniger Effekte beachtet}.

 

 

Ke 4

Kerka, F.; Kiegesmann, B.: Innovationsmanagement: den Aufbruch zum Neuen gestalten. Teil 2. In: Innovations-Forum 01/2012. S. 10- 14

Rez

 In den Unternehmen werden Innovationen keineswegs gut umgesetzt. Nur 13 % der Neuproduktideen erreichen das Stadium der Markteinführung und davon nur die Hälfte einen gewissen wirtschaftlichen Erfolg (6 %). Der hohe Anteil gescheiterter Innovationen und das häufige Versanden von "big Ideas" verweisen darauf, dass die Erfolgsaussichten falsch eingeschätzt werden: die Neuerung wird überschäzt, die Marktaufnahmefähigkeit auch, die eigene Kompetenz für Innovationen ebenso. Eine realistische Analyse der wichtigsten Bestimmungsgrößen könnte helfen: neben dem Erfolgspotential besonders der Umsetzungsaufwand hinsichtlich Personal (Qualifikation, Interesse,...), Technik und der Organisation, denn das ganze Unternehmen ändert sich bzw. müßte sich ändern.

Helfen können Pilotprojekte mit Kunden, noch bevor die Innovation "fertig" ist. Auch "Patisanengruppen" statt wohlgeordneter Innovationsteams werden empfohlen. Sie brauchen entsprechende Rahmenbedingungen. Admin 28.5.2017

 

 Kr 3      Krummeck, K.-H.: Innovationszukunft durch Innovation ermöglichen. In: Innovations-Forum 01/2017 S. 18 -  20 Rez           

 Die vielen Krisen haben den Glauben an einen guten Verlauf der Zukunft erschüttert. Der angemahnte "Ruck" des Bundespräsidenten ist ausgeblieben. Querdenken, Träumer, Abweichung und Nonkonformität müssen bereits in der Schule gefördert werden. Qualifizierung und neue kreative Denkstrukturen für alle Bereiche der Gesellschaft sind nötig. Admin 28.05.2017

 

Ko 1 Arbeiten mit inhaltlichen Bezug zur „problemlösener Kreativität“ in den Konstruktionswissenschaften – nach [H 7]

 

 ·  Makon: Grundlegende Bemerkungen zum konstruktiven Entwicklungspro­zess. Diss. A TH Ilmenau

·   Hansen, F.: Konstruktionssystematik. Berlin: Technik 1966/1968

·   Müller, J.: Systematische Heuristik für Ingenieure. ZIS TWA 59 1969

·   Rodenacker, W.: Methodisches Konstruieren. Berlin: Springer 1970

·   Kesselring, F.; Arn, E.: Methodisches Planen, Entwickeln und Gestalten technischer Produkte. Konstruktion 23 (1971) 4 S. 121-128.

·   Roth, K.-H.: Gliederung und Rahmen einer neuen Maschinen-Gerätekon­struk­tions­lehre. FWT 72(1968) 11, 521- 528

·   Pahl, G.: Die Arbeitsschritte beim Konstruieren. Konstruktion 24 (1972) 4, 149-153

·   Wertanalyse, der Weg zum Kostenminimum. VDI-Berichte 125 Düs­seldorf: VDI 1968

·   Opitz, H. u. a.: Die Konstruktion – ein Schwerpunkt der Rationa­lisie­rung. IA 93 (1971) 60, 1491-1503

 

 

H 7

Herrig, D.: Müller, H.: Rationalisierung im Konstruktionsbereich – ein Überblick. IfF Schriftenreihe für den Fachschullehrer; 1976

 

K 1

Koch, P. (Hrsg.): Rationelles Konstruieren – Grundstruktur eines allgemeinen Kon­struktionsverfahren. Technik 33 (1978) 1, 17-22

 

L 2

Linde, H.; Hill, B.: Erfolgreich erfinden. Widerspruchsorientierte Innova­tionsstrate­gie für Entwickler und Konstrukteure[WOIS]. Darmstadt: Hoppenstadt Techn., Tab., 1993

 

M 8

Müller, J.; Koch, P.: Programmbibliothek zur Systematischen Heuristik für Natur­wissenschaftler und Ingenieure. 3. Auflage. Halle: TWA ZIS 97-99 1973

 

M10

Müller, J.: Arbeitsmethoden der Technikwisenschaften. Systematik, Heuristik, Kreativität. Berlin/Heidelberg/ NewYork,... : Springer 1990

 

R 4

Rindfleisch, H.-J.; Thiel, R.: Erfinderschulen in der DDR. Berlin: Trafo-Verlag Dr. Weist 1994

 

R 5

Rodenacker, W. G.: Methodisches Konstruieren – Grundlagen, Methodik, praktische Beispiele. Berlin: Springer 3. Aufl., 1984

 

R 6

Roth, K.-H.: Konstruieren mit Katalogen. Berlin: Springer, 1971

 

Le 1

Leibniz, G. W. :  wird ergänzt

   ► Langfassung siehe site „Geschichte der pK

Seine „Ars inveniendi“ ist eine Weiterentwicklung der antiken Theorien und  anderer Vorgänger. Mit ihrer Orientierung auch als „Erfindungskunst“  hat L. die vorher vor allem der Rhetorik u. a. nicht technischen Nutzungen dienende „Ars inveniendi“ in die Richtung des Problemlösungsinteresses und damit für praktische technische Nutzanwendungen gerückt.

  

Mü2

Müller, M.: Ideenenfindung, Problemlösen, Innovation. Das Entwicklen und Optimieren von Produkten, Systemen und Strategienal Erlangen: publicis 2011

Müller, Michael [Mü1] beschreibt wie (technische) Ziele analysiert und präzisiert werden, den Problemlösungsprozess mit dem Einsatz entsprechender Kreativitätstechniken ,- darunter die PROMETIK – als eine (universelle?) problemlösende Methodik in der Technik mit 25 „Denkfiguren“, erfasst auch die Widerstandsproblematk und arbeitet mit unterschiedlichen Abstraktionsniveaus. – St 30.8.14

 

No1

Noak, K.: Kreativitätstechniken. Schöpferisches Potential erkennen und nutzen. Berlin: CornelsenVerlag 2008

Noak, K. [No1, S. 33 f.] Ein Taschenbuch - kurz und einfach gealten. Stellt den Stellenwert des kreativen Prozess für die Lösungssuche dar. Nur überprüfte Ziele können auch umgesetzt werden. „Durch systematisches Vorge­hen ist es sehr wohl möglich, kreative Lösungen zu erreichen“. Reichlich 20 vorwiegend einfache Kreativitätstechniken, davon ca. die Hälfte mit Empfehlung zur Anwendung in der so wichtigen Analysephase, werden knapp und erläuternd beschrieben. – St 30.8.14

 

O 2

Ostwald, W.: Die Lehre vom Erfinden. Ztschr. Feinmechanik (1932) 165 f.

Langfassung siehe site „Geschichte der pK

Ostwald hat sich um 1930 bereits für eine Lehre der Erfindertätigkeit eingesetzt. Mit der Thematik Erfindertätigkeit hat er gerade die Gebiete im Focus, die für die problemlösende Kreativität wichtig sind. Der Gedanke sei ganz erklärlich, Erfinden könne lehr- und lernbar gemacht werden. Das erfordere „die Darlegung der wissenschaftlichen Grundlagen und Mittel des Erfindens. “Zwar beschränkt sich Ostwald methodisch vor allem auf die Kombinatorik, aber seine konsequente Orientierung auf das Qualifizieren der Erfindertätigkeit ist richtig und heute leider noch immer aktuell.  

S 6

Spitzer, M.: Medizin für die Bildung. Ein Weg aus der Krise.Heidelberg: Spectrum 2003Akademieverlag 2010

Spitzer, M. [S6] eine allgemeinverständliche, lebendige Darstellung der Forschungen zur Problemlösen – aus psychologischer Sicht. Dabei z. B. auch zum Komplex „Kreativität und Angst“. – St 30.8.14  

W 1

Wögerbauer, H.: Die Technik des Konstruierens. München: Oldenbourg, 1940

Hist St1

 

Langfassung siehe site „Geschichte der pK

W. erklärt: ‚Die Erkenntnis der Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Behandlung des Konstruierens ist zwar noch nicht überall vorhanden, sie bricht sich aber immer mehr Bahn.’

W. stellt den konstruktiven Prozess in den Mittelpunkt seiner auch als Anleitung gestalteten Ausfüh-rungen. Die Technik des Konstruierens lehre konstruktives Denken. Sie bilde daher die Grundlage jeder der nach Fachrichtungen spezialisierten Konstruktionslehren, ist aber als ein Komplex allgemeingültiger Regeln von der Fachrichtung unabhängig.

Die dargelegte Technik des Konstruierens gehe auf langjährige Beobachtungen zurück. Sie habe ihre Entstehung nicht theoretischen Überlegungen zu verdanken, son­dern ist in der Praxis des Konstruktionsbüros gewachsen.

                       

Z 1

Zobel, D.: Systematisches Erfinden in Chemie und Chemischer Technologie. Leipzig: Chemische Technik 34(1982)9;S.445-450         

St 1, Hist 14

 Altshuller hat in seine Werken zur TRIZ fast nur Beispiele aus der Konstruktionslehre und dem Maschinenbau gebracht, gleichzeitig aber behauptet, die Methode arbeite Branchen übergreifend. Zobel knüpft daran in seiner ersten erfindungsmethodischen Publikation an und bringt eigene erfinderische Beispiele aus Chemie und Chemischer Technologie. Auch wird erstmalig konstruktive Kritik an der Verlässlichkeit der Altschuller-Matrix geübt und eine erste Version der später ausgebauten Hierarchie der Lösungsprin­zipien vorgelegt.                            St 22.3.16

Z 2

Zobel, D.: Erfinderfibel, Deutscher Verlag der Wissenschaften. Berlin: 1. Aufl. 1985, 2. Aufl. 1987 (ISBN 3-326-00131-2)

St 1, Hist 14

Der Untertitel „Systematisches Erfinden für Praktiker“ trifft den gedanklichen Kern des Buches. Insbesondere die Erweiterung der Beispielkartei auf den Chemie- und Medizinbereich und die erste deutschsprachige, kommentierte Darstellung des ARIS und der (damals noch 35) Altshuller-Prinzipien machen die Fibel zu einem historisch interessanten, inhaltlich allerdings keineswegs überholten Buch.                                               St 22.3.16

Zo 2

Zobel, D.:, Erfinden mit System - Theorie und Praxis erfinderischer Prozesse. DABEI-Materialien Nr. 10, Bonn: 1995 

Hist 14

Auch hier sei der Untertitel angeführt: “Theorie und Praxis erfinderischer Prozesse”. Der mehr erklärende als anleitende Text gibt eine gute Übersicht über Kreativitätstechniken einschl. ARIS. Es ist „... eine verkürzte ... Zusammenfassung methodik-orientierter Arbeit zu erfinderischen Prozessen. Wer mehr ... wünscht, ...“à [Zo 1].

Ausführlich beschrieben wird der erkenntnismäßige Wert der Paradoxa.

                                              St 22.3.16

Z 3

Zobel, D.: TRIZ FÜR ALLE - Der systematische Weg zur Problemlösung. expert-verlag, Renningen-Malmsheim: 2006; 2. Aufl. 2007 (ISBN 978-3-8169-2760-0)

St 1; Hist 14

Untertitel: „Der systematische Weg zur Problemlösung“.

 „Es gibt ... zahlreiche Methoden zur Ideensuche ... . Die bekannteste ... ist das Brainstorming, das auf den Spontanideen eines mehr oder minder befähigten Teams beruht. Jedoch neigt der Mensch dazu, das zu denken, was andere vor ihm auch schon gedacht haben. ... Deshalb sind die meisten der so gewonnenen Ideen nicht neu, sondern eher banal. ... Nur äußerst selten wird dabei ein „Goldkörnchen“ gefunden. ... die meisten der Ideen (beinhalten) einen typischen Kompromiss („Etwas ein bisschen besser machen, selbst wenn es dafür an einer anderen Stelle etwas schlechter wird“). Deshalb liefern die klassischen Methoden (bei) schwierigeren Aufgaben ... höchstens zufällig die erforderlichen hochwertigen Lösungen.

TRIZ, die Theorie zum Lösen erfinderischer Aufgaben, geht mit einem grundsätzlich neuen Konzept an die Lösung schwieriger Aufgaben heran. Zunächst wird definiert, wie die ideale Lösung aussehen müsste. Dieses so genannte Ideale Endresultat („IER“) ist eine Wunschkon­struktion ... Der nächste Schritt befasst sich mit der Formulierung der Widersprüche, welche die Erreichbarkeit des IER mit herkömmlichen Mitteln verhindern. Schwierigere Aufgaben sind dadurch gekennzeichnet, dass einander widersprechende Bedingungen zugleich bzw. ohne wechselseitige Behinderung erfüllt werden müssen (ein System muss z.B. zugleich heiß und kalt ... sein). In konventioneller Weise sind solche Widersprüche grundsätzlich unlösbar, Kompro­misse kommen dafür nicht infrage („heiß“ und „kalt“ darf nicht „lau“ ergeben). TRIZ liefert ... Lösungsstrategien, mit deren Hilfe die vermeintlich unlösbaren Widersprüche auf erfinderischem Niveau gelöst werden können. Es sind dies insbesondere:

Einfache Standards zum Lösen von Erfindungsaufgaben,

Prinzipien zum Lösen Technischer Widersprüche,

Separationsprinzipien zum Trennen der einander behindernden Systemparameter,

Stoff-Feld-Regeln zur Lösung auf physikalischem Niveau,

Gesetze der Technischen Entwicklung,

Physikalische Effekte (Ursache-Wirkungs-Beziehungen),

Das Modell der kleinen intelligenten Figuren („Zwergemodell“). ...

TRIZ basiert auf den Ideen des genialen Erfinders und Erfindungsmethodikers G.S. Altschuller. Erläutert wird die sukzessive Arbeitsweise (Algorithmus zum Lösen erfinderischer Aufgaben) in ausführlicher sowie verkürzter Form. ... Auch für alle anderen TRIZ-Hauptelemente bildet die Dialektik das übergreifende Denkprinzip. Mit Hilfe der in dieser Weise angewandten Dialektik lassen sich schwierige Probleme der unterschiedlichsten Art lösen, ohne in das übliche Kompro­missdenken zu verfallen.“

                                               St 22.3.16

Z 4

Zobel, D.: Systematisches Erfinden - Methoden und Beispiele für den Praktiker. expert-verlag, Renningen-Malmsheim: 5. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage 2009 (ISBN 978-3-8169-2939-0)

St1, Hist. 14

In „Methoden und Beispiele für den Praktiker“ (Untertitel) sind die überarbeiteten und ergänzten dem computergestützten Erfinden gewidmeten Abschnitte von Interesse. Aber das Hauptanliegen des Autors bleibt die prinzipielle Vermittlung der Methode des systematischen Erfindens. Ohne die so erworbenen Grundlagenkenntnisse ist der Nutzen eines noch so guten und noch so aktuellen Computerprogramms ohnehin zweifelhaft.“ Das gilt auch für die Widerspruchsmatrix. Sie ermöglicht, dass „auf dem Wege zur angestrebten sehr guten Lösung die einander bei konventionellem Vorgehen behindernden Parameter bestimmt werden, um auf den ... Kreuzungspunkten der Matrix zu einer Auswahl empfehlens­werter Lösungsprinzipien zu gelangen. Dieses methodische Versprechen ist derart faszinierend, dass nicht wenige Nutzer die Matrix ... als geradezu deckungsgleich mit der Gesamtmethode TRIZ ansehen. Diese besteht jedoch ... aus einem unverzichtbaren Arsenal wertvollster systemanalytischer und systemschaffender Werkzeuge, von denen die Matrix eben nur eines ist, und nicht einmal das beste.“ Es „wird deshalb empfohlen, die Widerspruchsmatrix nicht überzubewerten, jedenfalls nicht allein zu nutzen. Als Alternative kann insbesondere die ... Hierarchie der Prinzipien zum Lösen Technischer Widersprüche dienen.“ (zu Hierachie s. Kasten oben bzw. [Zo 3];Hervorhebungen vom Rezensenten)

Ein völlig neues Kapitel befasst sich mit den erfinderischen Leistungen des Leichtbau- und Flugzeugbau-Pioniers Hugo Junkers. Zobel analysiert die methodischen Aspekte in Junker’s Schaffen und kommt zu dem Schluss, dass Junkers entgegen der landläufigen Meinung nicht genial-intuitiv, sondern in hohem Maße systematisch gearbeitet hat.

                                               St 22.3.16

Z 5

Zobel,D.: Kreatives Arbeiten - Methoden, Erfahrungen, Beispiele. expert-verlag, Renningen-Malmsheim: 2007 (ISBN 978-3-8169-2713-6)

St1; Hist 14

Zwei kontrovers argumentierende Schulen gibt (es). Die eine ..., es handele sich bei der Kreativität um reine Intuition, um den „Göttlichen Funken“. Die andere betont, Kreativität habe auch logische, nachvollziehbare und somit erlernbare Aspekte. Ohne die Rolle der Intuition leugnen zu wollen, neigt der Autor vorliegenden Buches aufgrund seiner Lebens und Arbeitser­fahrung zu letzterer Auffassung.

Im Buch werden ... Merkmale und Arbeitsweise des Kreativen beschrieben. ... werden die wichtigsten klassischen Kreativitätsmethoden behandelt ... und die modernen widerspruchs-orientierten Methoden ...“ sowie die gründliche und kritische Systemanalyse. „ ‚Von Selbst‘: Die hohe Schule des systematischen Erfindens. ... Dieses Prinzip hat ... eine derart überragende Bedeutung ... (dass es) ... als die Hohe Schule des Systematischen Erfindens bezeichnet werden (kann).“

                                            St 22.3.16

 

Z 6

Zobel, D.: Hartmann, D.: Erfindungsmuster; TRIZ: Prinzipien, Analogien, Ordnungskriterien, Beispiele. expert-verlag, Renningen-Malmsheim:2009

St1; Hist 14

„TRIZ, die „Theorie zum Lösen Erfinderischer Aufgaben“, wurde bereits in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von G.S. Altschuller begründet und von ihm bis in die achtziger Jahre kontinuierlich weiterentwickelt. Inzwischen, nach dem Ende der Sowjetunion, wurde und wird die Methode auch im Westen zunehmend erfolgreich eingesetzt. Wesentlich dazu bei trugen Altschullers Schüler, von denen einige inzwischen in den USA, in Israel sowie in Deutschland leben und arbeiten.“ ...

„Jedoch ist zu beobachten, dass die recht anspruchsvolle Methode von vielen Beratern und Praktikern nur noch in stark vereinfachter Form eingesetzt wird. Die Hauptelemente der Methode, insbesondere die Prinzipien der Technischen Evolution, die Separationsprinzipien, die Stoff-Feld-Analyse, die Standards zum Lösen von Erfindungsaufgaben und das systematische Arbeiten mit den physikalischen Effekten, werden kaum in angemessener Weise berücksichtigt. Gleiches gilt für die methodisch sehr empfehlenswerte Verknüpfung aller Arbeitsschritte mithilfe des ARIZ, des „Algorithmus zum Lösen Erfinderischer Aufgaben“.

Wer sich für die seit Jahrzehnten kontrovers diskutierten Fragen zur methodischen Qualität der Widerspruchsmatrix näher interessiert, dem sei unser neues Buch „Erfindungsmuster“ empfohlen“.

                                            St 22.3.16

Z 6a

Zobel, D., Hartmann, R.: Erfindungsmuster. TRIZ - Prinzipien, Analogien, Ordnungskriterien, Beispiele. Rennigen-Malmsheim: Expert,2. durchges. Auflage 2016

Es ist vom expert-Verlag sehr verdienstvoll, sich so intensiv um die Verbreitung Altshullerschen Gedanken gut zu bemühen und dazu den erfahrensten deutsch-sprachigen Altshuller-Kenner – wieder gemeinsam mit R. Hartmann – mit einer Nachauflage zu einem seiner vielen Werke über Altshullers TRIZ zu gewinnen. Seit 1982 – besonders mit seiner „Erfinderfibel“ von 1985 – hat Zobel das Alt-shullersche Gedankengut nicht nur verbreitet, sondern erweitert so für Erfin-dungen auf dem Gebiet der Chemie u. a., und damit von der etwas einseitigen Maschinenbaulastigkeit befreit. Das hat er mit eigenen Erfindungen praktiziert.

Die Widerspruchsproblematik, die Altshuller als genialen Schritt bewusst als Lösungsansatz für anspruchsvolle Kreativität erkannt hat, ist der Kernansatz der problemlösenden Kreativität für qualitativ hochwertige Lösungen nicht nur im Maschinenbau, sondern - so die Autoren im Buch mehrfach - weit darüber hin-aus; nahezu universell - ohne ein ‚Stein der Weisen’ zu sein, werden zu können oder zu dürfen. Die problemlösende Kreativität(s. www.problemlösendekre-ativität.de) hat für die gesellschaftliche Entwicklung überragende Bedeutung, insbesondere für die wirtschaftliche Zukunftsgestaltung. Zwar bringt die Alltag-kreativität auch ihre Beiträge, aber ohne die dringlich weitere und komplexere Förderung der problemlösenden Kreativität werden schief liegende Großprojekte und ‚Abgasskandale’ notgedrungen weiterhin auftreten. Das vorliegende Buch des Verlags und der Erfolgsautoren ist ein wichtiger Beitrag - wenigsten auf dem Gebiet des bereitgestellten anspruchsvollen Kreativitätswissens - einen Baustein zu liefern, der dem Praktiker nutzt - auch wenn keine generelle Neubearbeitung erfolgt ist.

Die Autoren stellen eingangs die TRIZ in einer gut fasslichen Variante vor. Dazu gehört besonders der ARIZ 68, die Abfolge der von Altshuller vorgeschlagen Schrittfolge, die noch ausreichen übersichtlich bleibt, und kritisieren berechtigt die sehr detaillierten und umfassenden Ausbau- oder Abwandlungsvarianten, die den Nutzer z. B. in ein von dieser Abfolge dominierendes Abhängigkeitsverhältnis bringen kann. Die „denkmethodisch geradezu revolutionäre Begriffe [Altshullers:] Ideales Endresultat; technische Widersprüche ...Prinzipien zum erfinderischen Lösen derartiger Widersprüche“ [S. 19] werden nun ausführlich neben weiteren dargestellt. Die vorherige Darstellung des ‚Technisch-Technologischen Wider­spruch TTW’ nach Altshuller hätte durchaus gleich als ‚konkreter Widerspruch’ und der kompliziert – wenn auch treffend – benannte ‚Technisch-Naturgesetzmäßige, Physikalischer Widerspruch TPW’ als absoluter Widerspruch vereinfacht und im Interesse der über die Technik hinausgehenden Nutzer benannt werden können.

Berechtigt ist die deutliche Kritik an der Zuordnungs-Matrix – unabhängig von der Variante-, die leider in der breiten Anwendung zum Kern der TRIZ mutiert, damit aber nur einen Teil des wertvollen Altshullerschen Gedankenguts nutzt. Die Matrix leidet u. a. an der Problematik der ausreichend „sicheren“ Bestimmung der Parameter zur Auswahl des geeignetesten Feldes und an der Zuordnung von treffenden Prinzipien zur Widerspruchslösung im jeweiligen Feld. Das ist insofern gut, weil eine sichere Zuordnung und Wahl des Prinzips dem erfinderischen Prozess widerspricht und quasi eine Automation des Erfindens bedeuten könnte - der Stein der Weisen ließe grüßen. Richtigerweise stellen die Autoren eine Alternative vor, die konsequenter als solche benannt [S.40] und methodisch (als Schrittfolge z.B.) dargestellt werden sollte. Sie bringt zwar auch nicht diese „Unsicherheiten“ weg, gibt aber mit der vorgestellten Hierarchie der Ordnung und Nutzung der 40 Prinzipen zu Lösung technischer Widersprüche Altshullers dem Nutzer ein systematischeres Vorgehen (dass mit der vollen Breite der Prinzipen analysierend beginnt und unnötig vorzeitige Einschränkung vermeidet), verbunden mit schrittweiser Konkretisierung. Zur Rolle der Parameter dabei wären nähere Erläuterung wünschenswert gewesen (s. letzte Satzteil 2. Absatz). Wichtig ist bei diesem Vorgehen, dass die Hervorhebung zum Beispiel ‚genereller’ Prinzipien (der Umkehrung, Von-selbst-Lösungen,..) bedeutungsgemäß einfach eingefügt werden könnten. Diese selbst werden hervorragend erläutert und mit Beispielen untersetzt.

In diesen Texten zu den Erfindungsmustern, die das halbe Buch ausmachen wird sehr viel erfindermethodisches Wissen mit vermittelt, was diese umfangreichen Kapitel zusätzlich nützlich machen. Hier glänzen die Autoren mit einer immensen Fleißarbeit und breiten Beispielpalette, die viele Anregungen vermittelt. Allerdings wären es schön, wenn dabei ab und an der methodische Weg – auch wenn betont wird, dass nicht alle Beispiele nach Altshullerchen Vorgehen entstanden sind – als konkrete Unterstützung benannt würde.

Schon das viele eingestreute erfindermethodisches Wissen macht das Buch zu eine wertvollen Fundgrube für Praktiker und damit für ‚Erfindungsmuster’ – wobei dieser Begriff auch verführen könnte. Aber eine hervorragend Erläuterung der Prinzipien zu Lösung von Widersprüchen ist es und eine excelenter Beitrag zur Darstellung der Altshullerschen Gedankengutes in einer Weiterentwicklung, die tatsächlich eine solche ist.

30.10.2016                                                                         Dr. Klaus Stanke


Impressum siehe dort

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